Symptom
Nach einem grossen Erfolg verändert sich das Team spürbar. Die Vorgehensweisen, die zum Sieg geführt haben, werden zur Formel erklärt und nicht mehr geprüft. Kritische Stimmen gelten als Spielverderber, Warnsignale aus dem Markt werden mit dem Hinweis auf frühere Erfolge abgetan. Lernroutinen wie Retrospektiven werden kürzer, Experimente seltener. Gleichzeitig wächst der Stolz auf das Erreichte so weit, dass andere Teams oder Kunden mit leiser Herablassung betrachtet werden. Erst wenn Kennzahlen kippen, wird sichtbar, wie viel Zeit verstrichen ist.
Ursache
Die unbewusste Botschaft
Das Team sagt, ohne es zu merken: ‚Wir haben bewiesen, dass wir es können – bitte keine Zweifel mehr.‘ Der Erfolg dient als Schutz vor der Verunsicherung, die jede Weiterentwicklung mit sich bringt. Wer weiterlernt, müsste zugeben, dass der Gipfel nicht das Ende des Weges ist. Dahinter liegt die Sorge, den erreichten Status wieder zu verlieren, sobald man sich verändert.
Intervention
Die Lernaufgabe
Das System lernt, Erfolg als Zwischenstand und nicht als Beweis zu behandeln. Gefragt ist die Fähigkeit, Gelungenes zu feiern und zugleich zu untersuchen, was daran Können war, was Zufall und was Umstände. Aus dieser nüchternen Betrachtung entsteht die Bereitschaft, auch Bewährtes in Frage zu stellen, bevor der Markt es tut.
Intervention / Integration
Wer den Erfolg schmälert, löst Abwehr aus. Wirksamer ist es, den Erfolg zu würdigen und ihn dann als Lernstoff zu nutzen. 1. Erfolgs-Obduktion: Nach jedem grösseren Erfolg wird eine Auswertung durchgeführt wie nach einem Misserfolg: Was war Können, was Glück, was Rahmenbedingung? Das Ergebnis wird schriftlich festgehalten. 2. Aussenblick einladen: Ein Mensch aus einem anderen Bereich oder ein Kunde schildert, was er an der Zusammenarbeit anders erlebt, als das Team glaubt. 3. Frühwarn-Kennzahlen: Das Team definiert vorab zwei bis drei Zeichen, die ein Nachlassen anzeigen würden, und prüft sie regelmässig. 4. Ein Experiment pro Quartal: Auch im Erfolgsmodus wird bewusst eine Gewohnheit angezweifelt und versuchsweise verändert. 5. Demut als Haltung: Die Führungskraft spricht Erfolge mit dem Zusatz an, was noch offen ist, und zeigt so, dass Stolz und Neugier nebeneinander bestehen können.
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Siehe auch: Überheblichkeit · Status-Quo-Verliebtheit · Narzissmus